Mit Twitter neue Leser für sein Buch gewinnen – Geht das wirklich?
Weit über drei Millionen Twitternutzer alleine in Deutschland scheinen Autoren beste Voraussetzungen zu bieten, über das Netzwerk des Kurznachrichtendienstes neue Leser und damit Käufer für ihre Bücher zu gewinnen. Doch meistens stellt sich bereits nach kurzer Zeit Ernüchterung ein. Aufwand und Ergebnis stehen in keinem vernünftigen Verhältnis.
Trotzdem sollte man Twitter nicht als ungeeignet abtun. Häufig sind es nur Kleinigkeiten, die einen Erfolg verhindern.
Wunder darf man allerdings nicht erwarten. Wäre es so einfach, hätten sich schon viel mehr Unternehmen und Selbständige auf den Kurznachrichtendienst gestürzt. Tatsächlich gilt es Abstriche bereits bei den Nutzerzahlen vorzunehmen. Wirklich aktiv genutzt wird lediglich eine knappe halbe Million Twitter-Accounts. Auch das ist allerdings noch eine beträchtliche Zahl, die ein Engagement lohnt.
Weit wichtiger als die Zahl der aktiven Nutzer ist für einen Erfolg jedoch, wie Sie die Möglichkeiten von Twitter nutzen.
Wie lässt sich Twitter optimal nutzen?
Im Folgenden habe ich einige Punkte zusammengestellt, deren Beachtung sich erfahrungsgemäß positiv auf den Erfolg auswirkt.
- Das Wichtigste ist, dass Sie etwas mitzuteilen haben, was andere Menschen interessieren könnte und im Zusammenhang zu Ihrem Buch steht. „Ich habe heute morgen verschlafen“, „Gleich mache ich Mittagspause“ oder „In Berlin scheint die Sonne“, mag Sie bewegen, das Interesse der Twitter-Gemeinschaft dürfte sich dagegen in Grenzen halten.
- Überlegen Sie sich, über welches Thema oder auch welche Themen Sie regelmäßig etwas Twittern könnten. „Gemischtwarenläden“ sind erfahrungsgemäß wenig beliebt, Schwerpunktsetzungen also sehr zu empfehlen. Das heißt natürlich nicht, dass Sie sich zum Sklaven Ihrer Schwerpunkte machen sollen. Der eine oder andere Tweet abseits „Ihrer“ Themen wird kaum einen Follower vertreiben, allerdings auch selten neue Follower bringen.
- Selbstverständlich dürfen und sollten Sie auch über Ihr Buch twittern. Allerdings sollte diese Eigenwerbung nicht aufdringlich wirken, denn das „Entfollowen“ dauert nur einen Mausklick. Immer gut kommen Links auf Leseproben oder Rezensionen an.
- Wer bereits mit einem eingeführten Namen im Internet und den verschiedenen sozialen Netzwerken unterwegs ist, sollte diesen Namen auch bei Twitter verwenden. Die anderen stehen vor der Herausforderung, einen passenden Nick zu finden. Der reale Name lässt sofort erkennen, mit wem man es zu tun hat. Ob Sie so viel von sich preisgeben möchte, können Sie nur selbst entscheiden. Viele Realnamen sind allerdings für den auf 140 zeichen beschränkten Kurznachrichtendienst sehr lang. Eine gute Alternative stellen Nicks dar, die gleich ein wenig Auskunft über den Twitterer geben. Ich bin z.B. als Sachbuchautor unterwegs.
- Nicht überflüssig sind auch ein paar Gedanken über den zu wählenden Avatar. Viele Menschen merken sich ein Bild leichter als einen Namen. Marketingexperten empfehlen, sich für ein Porträtbild zu entscheiden. Auch hier gilt, dass jeder selbst entscheiden muss, wieviel er von sich preisgeben möchte.
- Im ersten Moment hören sich 140 Zeichen, die Tweets maximal lang sein dürfen, erschreckend wenig an, doch mit der Zeit lernt man, sich entsprechend kurz zu fassen. Twitter ist nun einmal nicht für längere Abhandlungen gedacht. Wer regelmäßig viel zu sagen hat, tue dies besser in einem Blog oder auf einer traditionellen Homepage. In Twitter kann und sollte dann auf diese Veröffentlichungen hingewiesen und verlinkt werden.
- Wichtig ist regelmäßiges und das meint vor allem möglichst tägliches Twittern. In der Praxis lässt sich das allerdings nur schwer durchhalten. Vor allem am Wochenende verzichten viele auf das Twittern. Was auf jeden Fall vermieden werden sollte, ist eine Tweetflut an einem Tag und dann wieder eine tagelange Twitterpause. Manchmal hilft es schon, eher zeitlose Tweets nicht sofort zu verschicken, sondern auf mehrere Tage zu verteilen.
- Die besten Zeiten zum Twittern sind Montag bis Freitag die Vormittags- und Nachmittagsstunden. Allerdings wird dann nicht nur viel gelesen, sondern auch geschrieben, so dass die einzelnen Tweets sehr schnell nach unten rutschen und nicht mehr in der Timeline erscheinen.
- In den Tweets genannte Links werden meistens innerhalb der ersten zehn Minuten angeklickt. Rund 80 Prozent der Zugriffe erfolgen in diesen ersten zehn Minuten, die restlichen 20 Prozent dann innerhalb der nächsten Stunden. Twitter ist also ein sehr schnelllebiges Medium.
- Dass man sich gut überlegen sollte, welchen Twitterern man folgt oder neudeutsch followed, dürfte selbstverständlich sein. Alleine schon der zeitliche Aufwand wächst sonst ins Unermessliche. Zudem entsteht andernfalls leicht der Verdacht, dass es einem nur darum gehe, möglichst viele Twitterer mit Werbung zuschütten zu können.
- Noch sorgfältiger sollten die Follower ausgewählt werden. Es mag sich zwar sehr beeindruckend anhören, wenn man 2000, 5000 oder 10 000 Follower vorweisen kann, aber wenn die meisten aus der Erotikbranche kommen oder irgendwelche dubiosen Dienstleistungen verkaufen wollen, dann verkehrt sich die Begeisterung schnell in ihr Gegenteil. Schauen Sie sich Ihre Follower regelmäßig an. Ich räume jedenfalls mehrmals in der Woche auf und blocke Follower, die mir eher schaden als nutzen.
- Angesichts der Beschränkung auf maximal 140 Zeichen stellen viele Internetadressen in Twitter allerdings ein Problem dar. Fast immer werden deshalb Internetadressen über sogenannte URL-Verkürzer eingeben. Ich benutze dafür seit längerem merky.de, weil Merky eine Zugriffsstatistik anbietet. Noch kürzer geht es mit bit.ly und v.gd, die ebenfalls statistische Auswertungen anbieten.
- Nicht verschwiegen werden soll allerdings ein Nachteil dieser Kurz-URLs: Ihnen ist nicht mehr anzusehen, auf welche Seiten sie einen entführen. Für den Firefox-Browser gibt es deshalb Addons wie z.B. Xpnd.it! short URL expander, die wieder für die gewünschte Klarheit sorgen.
Eine Erfolgsgarantie gibt es auch bei Twitter nicht.
Eine Garantie, dass der Buchverkauf mit Twitter wirklich angekurbelt wird, gibt es natürlich trotzdem nicht. Einige zusätzliche Buchverkäufe sollten allerdings in der Umsatzstatistik auftauchen. Twitter ist auf jeden Fall ein Marketinginstrument, aber nicht das allein seligmachende.
Weitere Vorschläge, wie Sie Ihr Buch einem größeren Kreis bekanntmachen können, finden Sie unter Wie mache ich mein Buch bekannt, damit es auch gekauft wird?.
